Zeller Hexe - Maria Renata Singer


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HINRICHTUNG





URTEILSVOLLSTRECKUNG
DIE HINRICHTUNG

So geschah es dann auch am Morgen des 21. Juni. Nachdem man Maria Renata gegen 8 Uhr in den Saal der Marienburg geführt und ihr nochmals das Urteil vorgelesen hatte, wurde die Freifrau von Mossau wegen ihres Alters und ihrer Schwäche in einem Sessel zum Richtplatz getragen, der sich auf einer Bastei der Festung in Richtung Höchberg befand .

Ein Unteroffizier und sechs Soldaten, sowie vier Jesuiten, zwei Kapuziner und ihr Beichtvater Maurus von Schotten begleiteten sie auf diesem letzten Weg. Unter den Geistlichen war auch Pater Georgius Gaar, der ihr als Galgen-Pater zugeteilt war .

Am Richtplatz angekommen schwor Maria Renata nochmals dem Teufel ab, worauf ihr Pater Marus von Schotten die Absolution erteilte. Daraufhin wurde sie auf einen Stuhl gebunden und der Kitzinger-Scharfrichter zog sein Schwert und "hieb ihr mit so ausnehmender Geschicklichkeit das Haupt vom Rumpf, dass alle Umstehenden das vollkommenste Vergnügen über diesen so glücklichen Vollzug verspüren ließen" .
Besondere Bedeutung wurde der Tatsache beigemessen, dass während der Exekution ein Geier über den Richtplatz schwebte, wobei man den Sinn jedoch dem göttlichen Richter allein überließ.

Der Leichnam der alten Nonne wurde nun zum Brandplatz gebracht. Dieser wird als vor dem Walde gegen Waldbüttelbrunn beschrieben und ist im heutigen Ortsteil Hexenbruch der Gemeinde Höchberg gelegen gewesen. Dort wurde ihr kopfloser Körper auf den Scheiterhaufen gelegt und ihr Haupt auf eine Stange mit Blickrichtung auf Kloster Unterzell aufgespießt.

Bevor jedoch das Feuer entzündet wurde, hielt Pater Georgius Gaar seine christliche Anred zur Hinrichtung der Maria Renata Singer. Diese Predigt, der Gaar noch eine zweite im Dom folgen ließ, stand im deutlichen Widerspruch zu der "Cautio Criminalis" seines Ordensbruders Friedrich Spee. Pater Gaar verteidigte das Vorgehen gegen Hexen und stellte sich scharf gegen jene, die an der Wirklichkeit der Hexenkünste zweifelten. Damit zettelte er einen literarischen Streit über die Hexenprozesse an, der dem Verfahren gegen die Unterzeller Nonne zu ihrem traurigen Ruhm verhalf. Erst nach dieser Predigt des Paters Georgius Gaar wurde der Scheiterhaufen entzündet und den ganzen Tag über am Brennen gehalten.

Bemerkenswert ist eine Begebenheit, die sich zur gleichen Zeit im Kloster ereignete:

Während der Hinrichtung tanzten die fünf angeblich vom Teufel besessenen Nonnen im Garten des Klosters und sangen dabei "Der Kaiser hat brave Soldaten, wenn sie bezahlt sind".

Hier wird deutlich, dass die jüngeren Nonnen gezielt auf eine Verurteilung der Maria Renata hingearbeitet hatten, die wohl aufgrund ihrer Verbitterung sehr streng mit den Jüngeren umging. Desweiteren deutet sich an, dass durchaus finanzielle Gesichtspunkte im Raum standen.

Kloster Oberzell - Neumanns Werk
Foto: Spengler

Festung Marienberg Würzburg
Foto Pitiopa

Festung mit Burgfried
Foto Pitopia

Christliche Anred nächst dem Scheiterhaufen
Foto Spengler

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